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" The only real american was the red man... ..... Der Rote Mann ist gegangen. Seine Geschichte wurde mit Blut geschrieben. Sein Gott war die Kraft der Sonne, seine Bibel die Wunder der Natur, und er hat jede Seite daraus gelesen... " Zitat einer Wandinschrift des CRAZY HORSE VISITORCENTER Black Hills / South-Dakota
Und Das war sie, unsere Reise 2004, wobei wir uns bei den vorher geschätzten 5500 km ganz nett verkalkuliert haben und zum Schluss dann doch, mit vielen Abstechern, bei nicht ganz 8000 km gelandet sind...
21. Mai Flug von Stuttgart über Atlanta/Georgia nach PHOENIX/Arizona War doch gar keine so schlechte Idee, die kleine Pension direkt vor dem Flughafen! Am Vortag ganz gemütlich angereist, gut geschlafen, noch besser gefrühstückt, das Auto für 3 Wochen sicher aufgehoben und das Ganze zu relativ günstigem Preis. Wir machen uns also bestens gelaunt auf den Weg nach Amerika, der hier in Stuttgart beginnen soll. Auweh, jetzt geht´s schon los. Eine Riesenschlange vor dem Delta-Schalter. Aber schon erkennt eine liebenswürdige Stewardess unser Entsetzen und winkt uns zwei zu sich vor, zum leeren Schalter der viel zu abgehobenen Preisklasse. Dort geht alles ruckzuck, der schwere Trolley entschwindet ebenso unseren Blicken wie die lange Schlange der immer noch wartenden Menschen, wir bekommen den ersehnten Fensterplatz, und nach den allerdings sehr gründlichen Sicherheitskontrollen finden wir uns im richtigen Abflugterminal wieder und vor dem richtigen Gate unserer Maschine. Soweit, sogut, jetzt liegen etwa 11 Std. Flug vor uns, die aber, trotz des Essens an Bord, gut zu überstehen sind. In Atlanta angekommen, angeblich dem grössten Airport der USA, ist alles viel hektischer und recht unübersichtlich. Wir durchlaufen der Reihe nach die Einwanderungskontrolle, die Ausgabe unseres Gepäcks, die Zollkontrolle, die Wiederaufgabe des Gepäcks, die Sicherheitskontrollen einschliesslich Leibesvisitation bei Gitti, eine Reihe anderer Terminals auf dem Weg zum Richtigen, den Boardingschalter vor unserem Gate und sitzen tatsächlich irgendwann in der Maschine, die uns etwa 4 1/2 Std. später heil und gesund in Phoenix abliefern soll. Eintreffen dort etwa 18 Std. nach Abflug in Stuttgart. Am Schalter von Alamo-rentalcars erzähle ich beiläufig von unserer beabsichtigten Route, ein Hochziehen der Augenbrauen und ein anschliessendes kurzes Telefonat der freundlichen Angestellten mit irgendeinem Vorgesetzten, und schwupps sind wir kostenlos upgradet worden um, wie ich gleich darauf feststelle, gleich einige Fahrzeugklassen. Nachdem uns der shuttlebus vor unserem Auto abgeliefert hat, mag ich´s kaum glauben. Vor uns steht ein Gerät in Form eines kleinen Schützenpanzers. Potthässlich wie ich finde, mit kleinen Glasflächen, und der ganze Wagen so entsetzlich gross... Aber es ist ein ALLRAD, Permanentantrieb, und die Schalter und Hebelchen da drinnen kommen mir zumindest etwas bekannt vor. Also den Trolley hintenrein gewuchtet, wo er die nächsten 3 Wochen auch bleiben wird, in die Sitze geschwungen, nochmal kurz alle Bedienungseinrichtungen gecheckt und schon rollen wir vom Gelände. Noch eine Orientierungsrunde um den Airport, dann hopp in´s erstbeste Motel und schon schlafen wir unserem grossen Trip entgegen...
22. Mai Es geht los: Über den Apache Trail bis GLOBE
Beeindruckend auf dieser scenic route natürlich die atemberaubende Landschaft mit einer Vielzahl optischer Leckerbissen. Aber auch unterwegs die kleine zum Verkauf stehende Ansiedlung Tortilla Flat hat zweifellos ihre Reize, und zu denen gehört das hier aus den Früchten der wildwachsenden Kakteen hergestellte Cactus Ice an vorderer Stelle! Gleich nach diesem Ort dann aber der Ernst des Lebens mit dem Ende der asphaltierten Fahrbahn und dem Beginn der für WoMo kaum zu empfehlenden Sand- und Schotterpiste. Bei Regen unbedingt zu meiden, recht schmal und unübersichtlich, und mit gelegentlich ganz netten Steigungen. Im Internet übertrieben als "heartbeating route" bezeichnet, aber für den allerersten Tag genau das richtige, um sich mit dem Handling des Wagens vertraut zu machen. Und dieser hässliche Bursche zeigt uns auch sofort seine inneren Qualitäten. Mit seiner Bullenkraft aus gewaltigem Hubraum bringt er uns im kleinen Gang durch jedes Loch, über jeden Pass, denn irgendeines der 4 angetriebenen Räder greift schliesslich immer. So lassen wir uns auch viel Zeit für diesen Trail, machen problemlos Abstecher auch ins umliegende Gelände und entschuldigen uns im Stillen beim Auto, es bei der ersten Begegnung so beleidigt zu haben. Beim späteren Motel einchecken in Globe präsentiere ich erstmals einen meiner Rabattcoupons von www.roomsaver.com aus dem Internet ausgedruckt. Das Mädchen am Empfang sieht so ein Teil zum ersten Mal und reisst erschreckt die Augen auf. Dann wählt sie die Nummer von ihrem Boss, beschreibt ihm am Telefon den Coupon, bekommt seinen Segen und wir unser Zimmer zum Rabattpreis von 35 $. Yippeeeee, so kann´s weitergehen!
23. Mai Fort Apache und Petrified Forest bis HOLBROOK
Wäre nicht die himmlische Romantik einer kaum befahrenen Nebenstrasse durch die white mountains der Apache, der Umweg über Fort Apache hätte sich kaum gelohnt. Böse heruntergekommen die historischen Bauten, kaum noch sehenswert, und keine Seele weit und breit. Ganz anders dagegen die Fahrt durch den Petrified Forest! Ganz erstaunlich diese Vielzahl von versteinerten und zu Kristallen aller denkbaren Farben erstarrten Baumfragmente. Ettliche Meilen weiter dann das Painted Desert, eine bis zum Horizont reichende Sand- und Felsenwüste, die sich bei der richtigen Sonneneinstrahlung wirklich in allen vorstellbaren warmen Erdfarben dem staunenden Betrachter präsentiert. Quartier finden wir heute in Holbrook, wobei es uns beim Losfahren am nächsten Morgen erstmals passieren wird, von Zweien aus dem stolzen Volk der Navajos angebettelt zu werden... 24. Mai Hubbell Trading Post, Canyon de Chelly bis KAYENTA
Die Hubbell Trading Post ist eine der ältesten noch erhaltenen Poststationen und war bei ihrer Gründung eine der allerersten im sogenannten "Wilden Westen" der Pioniere. So manche mit Silber aus den nahen Minen beladene Postkutsche kam hier durch um die Pferde zu wechseln. Wie man hört halt manchmal auch nicht, wenn nämlich diese Ladung schon viele Meilen vorher geraubt und die Kutscher abgemurkst waren. Gegen diese rauhen Zeiten geht´s jetzt recht beschaulich zu dort. Ihren Dienst als Poststelle versieht sie noch immer, jetzt allerdings in erster Linie für Liebhaber ihres Poststempels auf der ganzen Welt. Daneben und vor allem anderen ist sie jetzt aber Museum, Restaurant und Andenkenshop in einem. Naja, Restaurant wohl etwas hochgegriffen... Im gleich angeschlossenen Laden dann aber eine grosse Auswahl indianischer Handarbeiten der traditionellen Art, wunderschön anzusehen und zweifellos sehr zeitraubend hergestellt, und seeehr teuer. Wir zwei begnügen uns angesichts unseres Budgets mit einer kleinen handgeschnitzten und sehr liebevoll bemalten Kachina, und verlegen uns beim Betrachten der Teppiche, Figuren und Schmuckstücke ausschliesslich auf´s Bewundern dieser sorgfältigen Arbeiten. Ettliche Meilen weiter dann der Ort Chinle, Eingang zum Canyon de Chelly. Dieser Platz war für die indianischen Ureinwohner, die Anasazi, zweifellos der perfekte Wohnort und Unterschlupf. Durch den viele Meilen langen und über drei dieser Schluchten verfügenden Canyon führte ein plätschernder Wasserlauf mittendurch, es gab fruchtbare Böden für Ackerbau und Viehzucht an beiden Seiten dieses Baches, und das Ganze wurde rundum geschützt durch unüberwindlich steil abfallende Felswände, in deren Nischen sie ihre z.T. mehrstöckigen Häuser errichtet haben. Es muss ein ungemein beschauliches und friedliches Leben in diesem kleinen Paradies geherrscht haben, und als heutiger Betrachter der dort unten noch erhaltenen Ruinen braucht man garnicht viel Phantasie, um das Lachen der Kinder am Wasser immer noch hören zu können, 1000 Jahre nach dem plötzlichen und noch ungeklärten Verschwinden dieser Menschen. Auf der Rangliste der Orte, die wir gerne einmal wiedersehen würden, steht er unangefochten an 1. Stelle, dieser Canyon de Chelly. 25. Mai Monument Valley, Gooseneck´s NP, Four Corners bis CORTEZColorado
In dieser Rangliste gleich darunter natürlich das Monument Valley, welches wir nun schon zum zweiten Mal besuchen, und es gäbe immer noch soviel Neues dort zu entdecken! Die vielleicht etwas automordende Fahrt über den Loop ist einfach immer wieder ein Augenschmaus, und wie wir ausprobiert haben, wurden auch unsere gelegentlich vorkommenden Ausflüge auf Nebenpisten von den Navajo keineswegs geahndet. Bei der Einfahrt ins Tal haben wir beide fast gleichzeitig gesagt: " Endlich wieder Daheim ". Und ganz genau so fühlen wir uns auch, mit den Felsenkolossen an unseren Seiten, dem tiefblauen Himmel über uns, und dem roten Sand unter den Füßen. Leider schon wenige Stunden später geht´s dann zum Gooseneck´s, wo der San Juan River tief in die Felsen eingeschnitten seine Kreise zieht. Ab Bluff fahren wir dann ostwärts, dem Staat Colorado entgegen, und durchqueren dabei nach Denen der Apache, Hopi und Navajo, nun auch das Reservat der Ute-Indianer. Ein späterer Abstecher zu Four Corners lohnt kaum das Eintrittsgeld. Eine Grenzmarkierung in der Mitte, drumherum ein Blitzlichtgewitter, und als äusserer Kreis jede Menge Verkaufsstände mit nix wie Nepp. Ganz abgesehen davon aber fahr ich nun schon ´ne ganze Weile auf Reserve und hab´ nicht den Hauch einer Ahnung wie weit bis zur nächsten Tanke...
26. Mai Ausgiebig Zeit für Erkundung des Mesa Verde NP CORTEZ
Dieser heutige Tag gehört ganz allein dem Nationalpark Mesa Verde, einem weiteren Zentrum der Anasazi-Frühkultur. Schon die Anfahrt dorthin sehr reizvoll. Es geht hoch hinauf in die Berge und aus der Ferne schimmern die schneebedeckten Hänge der Rockys in der Morgensonne. Das Besuchercenter bietet wirklich alles Erdenkliche vom reich ausgestatteten Museum bis zu Filmvorführungen. Wir beobachten mit einem kleinen Schmunzeln ganze Schulklassen beim eifrigen Erledigen ihrer Schulaufgaben. Lassen uns wie gesagt den ganzen Tag Zeit, besuchen alle Aussichtspunkte und finden doch abschliessend, dass diese gesamte Anlage zwar ausserordentlich interessant anzuschauen ist, aber es fehlt ihr ganz eindeutig das besonders reizvolle des Canyon de Chelly. Oder sind es doch vielleicht nur die vielen Besucher, welche die Ruhe dieses Ortes stören? 27. Mai Zu den Aztec Ruins, in den Chaco Canyon und nach SANTA FE / NewMexico
Gar nicht weit nach der Grenzüberquerung zu New Mexico ein weiterer Ort der Geschichte, die Aztec Ruins in der gleichnamigen Stadt, die ihre Namensgebung dem Irrtum der ersten Entdecker dieser Anlage verdanken. Auch hier natürlich eine Anasazi-Siedlung, genauer gesagt ein total verschachtelt in- und übereinander errichtetes Dorf für, wie geschätzt wird, bis zu 300 Einwohner.Und man darf dort hinein! Wir schlüpfen geduckt über gestampfte Lehmböden durch die engen Gänge und stehen irgendwann überrascht in einer voll restaurierten grossen Kiva, dem zeremoniellen Zentrum dieser Menschen. Aus unsichtbaren Lautsprechern erklingt leise der monotone Gesang der Shamanen zum dumpfen Klang ihrer Trommeln. Und wie selbstverständlich nehmen wir beide unsere Plätze ein auf der umlaufenden Bank dieses Rundbaus, lauschen diesem Gesang und fühlen uns viele Minuten lang um 1000 Jahre zurückversetzt. Es ist ein ganz eigenartiges Gefühl, welches uns hier an diesem Ort befällt, ein Gefühl absoluter innerer Ruhe und Frieden. Na, noch nicht genug von Kultur und Geschichte? Also dann auf in den Chaco-Canyon, dem wie man annimmt ursprünglichen Zentrum, dem "Mutter-Ort" aller Anasazi-Völker in Arizona, Utah, Colorado und New Mexico. Von ihm aus begann ihre Wanderung, hier lag wie vermutet wird die Wiege ihrer Zivilisation. Die Anfahrt dorthin allerdings mehr rustikal als romantisch. Wohl so ca. 30 km einfach über Schotterpisten der allerübelsten Sorte, durch ausgetrocknete Wasserläufe und gelegentliche Sandverwehungen, für PkW nicht wirklich empfehlenswert. Wir allerdings können uns wieder mal glücklich schätzen über unseren Allrad, der überall klaglos durchpflügt. Dort angekommen dann aber ein Visitorcenter der feineren Art und ein Permit für die Einfahrt in´s bisher freigegebene Gelände gibt´s auch anstandslos. Ein wenig aufpassen tun sie schon immer noch, diese Ranger, denn die wissenschaftlichen Ausgrabungen dort sind noch längst nicht abgeschlossen. Die Bezeichnung Canyon ist allerdings unzutreffend. Es ähnelt eher einem grossflächigen weiten Talkessel, in welchem man allerorten über die Ruinen von Häusern und auch ganzen Dörfern stolpert. Aber es ist jetzt unerträglich heiss geworden, die Luft flirrt und wir wollen unseren kulturellen Teil jetzt abschliessen, haben einen Saudurst und die Schnauze voll, müssen die ganze Schüttelstrecke bis zur asphaltierten Strasse erst wieder zurück, sehnen uns nach der Kühle der Sangre de Christo Berge und dem Leben in Santa Fe, und vor allem nach einer erfrischend kalten Dusche !!!
28.Mai Wir schauen uns um in den Pueblos rund um SANTA FE
Im TV laufen seit der vergangenen Nacht fast pausenlos Berichte über Tornados, welche z.Zt. fast alle Staaten des mittleren Westens heimsuchen, so mit Überflutungen und allem drum und dran. Wir machen uns so einige Gedanken, denn in genau 2 Tagen werden wir mit dem Besuch dieser Gegenden beginnen. Heute und morgen aber sind wir noch in Santa Fe, und zunächst einmal besuchen wir einige der unzähligen Stammes-Pueblos ringsum. Es geht den Rio Grande hinauf bis hinter Taos, wo wir eine Brücke entdecken, die fast an jene des HWY93 über den Snake River erinnert. Auf einer kleinen Strasse an den Ausläufern der Berge entlang geht es dann wieder zurück nach Santa Fe, welches wir aufgrund seiner herrlichen Umgebung als ausgesprochen schönes Fleckchen in Erinnerung behalten werden. 29. Mai Historisches Zentrum rund um die Plaza in SANTA FE
Heute ist natürlich die historische Altstadt Ziel unseres Interesses. Wir umwandern die zentrale Plaza mit ihren Kathedralen, Kunstgalerien, Museen, Strassencafes und natürlich unglaublich vielen Menschen in diesen Gassen. Klar, es ist schliesslich Samstag, da rührt sich was, nicht nur in dieser Stadt. In einem kleinen Cafe etwas abseits kommen wir zum Verschnaufen. Unsere Welt ist wohl doch mehr der einsame Highway, und auf den freuen wir uns jetzt schon wieder! 30. Mai 500 Meilen auf der "Route 66" durch Texas nach FORT SILL / Oklahoma
Es sind nur noch Fragmente der parallel verlaufenden alten Route 66, auf welche unterwegs allerorten hingewiesen wird, und ein kleines Andenken an diese "Mutter aller Strassen" haben auch wir uns nicht verkneifen können. Trotzdem benutzen wir heute vorzugsweise die neue Route 66, die Interstate, denn es sind immerhin 800 km von Santa Fe nach Oklahoma und der Tag wird noch lang. Die Grenze zu Texas nur daran erkennbar, dass plötzlich die Fahrbahn nagelneu ist als sei sie extra herausgeputzt. Wir denken, dass es auf diese Weise die reichen Tex den armen Mex mal so richtig zeigen wollten, denn schon 30 Meilen weiter ist diese Herrlichkeit wieder vorbei und die Interstate im gewohnten Zustand. Das Gelaende ist inzwischen auch zusehends flacher geworden und wir sehen, noch Ende Mai, bereits abgeerntete Getreidefelder rundherum, die ganz sicher selbst am Horizont noch lange nicht enden. Dies hier wird sie dann wohl sein, die Weizenkammer der USA. Ab Amarillo wechseln wir dann auf die Landstrasse in Richtung Dallas, bis wir schon gegen Abend und von Wichita Falls nicht mehr weit entfernt, nach Osten abbiegen und die Grenze zu Oklahoma überqueren. Unser heutiges Tagesziel ist Lawton, etwa 100 Meilen vor Oklahoma City.
31. Mai An den Gräbern von Geronimo and Quanah Parker FORT SILL
Es ist Memorial Day heute, vergleichbar etwa mit unserem Totensonntag oder auch Allerheiligen, und wir stehen am richtigen Tag am richtigen Ort, vor den Toren von Fort Sill, einer auch heute noch aktiven Garnisionsstadt. Am Checkpoint scharfe Sicherheitsmassnahmen. Die Pässe werden copiert, und Militärpolizisten nehmen uns und den Wagen gründlich in Augenschein, dann erhalten wir das ok und dürfen passieren. Allerdings sind wir jetzt ein wenig nervös und geraten nur wenige Strassen weiter unabsichtlich mitten in eine grosse Parade zu Ehren der bisher 12 im Irak getöteten Soldaten der hier stationierten Einheiten. Sofort versperrt ein Streifenwagen unseren Rückweg und ein anderer saust auf uns zu. Was zum Teufel wir hier zu suchen hätten fragt man uns, aber auf die herausgestotterten Erklärungen hin wird man sofort wieder freundlich, öffnet die Absperrung und zeigt uns den Weg zum Ehrenfriedhof von Fort Sill, das erste unserer heutigen Ziele. Neben hunderten von weissen Soldaten liegt er hier begraben, als fast einziger Roter, er, Quanah Parker, einer der wichtigsten Anführer der Indianer in seiner Funktion als Vermittler auf dem langen Weg zu einem dauerhaften Frieden. Sein Ehrenmal ist unübersehbar. In einer Ecke dieses Friedhofes gelegen, ein wenig abseits von den Weissen, hat er unter einem Baum das einzige schattige Plätzchen gefunden, das dieser Ort hier zu bieten hat. Unmittelbar daneben sind auch die Gräber seiner Mutter Cynthia Ann Parker und seiner Schwester Prarieflower zu finden. Einige Meilen davon entfernt in einem kleinen Wäldchen dann der Apachenfriedhof von Fort Sill, in welchem viele der damals hier internierten Indianer ihr Grab gefunden haben. Inmitten einer ganzen Reihe anderer bekannter Chiefs seines Stammes finden wir einen anderen der ganz grossen, Geronimo. Natürlich ein ganz anderer Typ als Quanah Parker und weiss Gott kein Vermittler, aber einer der unnachgiebigsten und tapfersten Krieger seines Volkes. Letztendlich unterlag freilich auch er dieser weissen Übermacht, und wohl aus Bestrafung für seinen Widerstand wurde es ihm selbst als ungefährlichen alten Mann nicht gestattet, aus der Haft entlassen und zum Sterben nach Hause zurückkehren zu dürfen. Sein Grabmal hier ist eine etwa mannshohe Pyramide, erbaut aus einer Vielzahl kleiner roter Steine. Zu ihren Füssen die Geschenke seiner Stammesbrüder und Leuten wie uns für das Jenseits: Lederne Medizinbeutelchen, symbolisierte Waffen, ein wenig Nahrung, Wasser und Tabak. Über Allem in den Zweigen der Bäume hunderte von kleinen bunten Apachentüchern, die im Wind flattern. Ein wohl nicht allzu häufig besuchter, friedlicher Ort, dieser Apachenfriedhof in Fort Sill. Trotz des Stammesbruders im Pickup, der ihn bewacht und uns nicht aus den Augen lässt. Als wir dann gehen, hebt er die Hand zum freundlichen Gruss, denn wir haben von den Grabbeilagen Geronimos nichts genommen, sondern ihm etwas gegeben: Ein wenig Tabak, auf seine Reise...
01. Juni Black Kettles Washita battlefield und weiter bis CANADIAN/Texas
Black Kettle war der Stammesführer, der trotz Sicherheitsgarantien einer für Indianerangelegenheiten zuständigen Regierungsbehörde und trotz einer vor seinem Zelt wehenden US-Flagge eines friedlichen Morgens von einer Soldateneinheit im Schlaf angegriffen und annähernd bis auf den letzten Mann, Alte, Frauen und Kinder, niedergemetzelt wurde. Die Frage nach dem Warum dieses Überfalls damals ist nicht ganz geklärt, aber man geht davon aus, dass aus politischen Gründen mal wieder "Ein grosser Sieg" her musste. Der Besuch dieses einsam gelegenen Ortes am geschlängelten Lauf des Washita nahe Cheyenne/Oklahoma, zwingt zur Besinnung, und wir stehen lange schweigend auf dem Boden, wo dieses unwürdige Massaker stattfand. Zurück über die naheliegende Grenze nach Texas, wo wir uns zum Abschluss des Tages in Canadian eines der Steaks gönnen, für welches das hiesige CATTLE EXCHANGE BBQ Restaurant www.cookya.com über viele Staatsgrenzen hinweg berühmt ist. Trotzdem wie wir dort hören kaum jemals deutsche Touristen in dieser Gegend. Die Wirtin mag uns sofort, erzählt uns von Ihrer Kindheit mit der deutschen Grossmama, und packt uns als Gastgeschenk für den späteren Abend im Motel noch ein Lunchpaket. Ein ganz lieb geschriebener Segenswunsch für unsere weitere Reise ist gut darin versteckt, und so entdecken wir ihn erst Stunden später. THANKS FOR ALL, JULIE, AND OUR BEST WISHES FOR YOU AND YOUR FAMILY ! 02. Juni Durch Oklahomas Panhandle und quer durch Kansas bis MC COOK/Nebraska
Diese heutige Tour führt durch die tiefste Provinz der USA, die trotzdem für uns ihre Reize hat. Wir durchfahren Ortschaften die genau dem entsprechen, was man sich aus Filmen über Ansiedlungen im mittleren Westen so vorgestellt hat und finden glücklicherweise kaum noch Spuren von den Tornados der vergangenen Woche. Auf schnurgeraden Landstrassen gleiten wir dahin, sehen kaum mal ein anderes Auto als Landmaschinen sowie Felder und Weideflächen bis zum Horizont. Die Luft ist klar, ein unendlicher Himmel überspannt uns, und das Auto läuft so leise, dass wir trotz wegen der Klimaanlage geschlossener Fenster draussen die Vögel singen hören. Hallo Nebraska, wir kommen! 03. Juni Entlang des North Platte zum Chimney Rock und nach SCOTTSBLUFF/Nebraska
Von McCook aus geht es heute auf kürzestem Weg zunächst zum North Platte und dann auf kleinen Uferstrassen entlang des Flusses in Richtung Nordwesten. Der Fluss selbst mit nur geringem Wasserstand, ist aber gelegentlich immer wieder mal zu Seen angestaut, auf denen dann auch gleich reger Bootsverkehr herrscht. Schon gegen Nachmittag erreichen wir an seinem Südufer den Chimney Rock, der zu Zeiten der Pioniere eine ganz wichtige Landmarke für die Trecks in den Westen darstellte. Im Visitorcenter jede Menge Ausstellungsstücke aus jener Zeit. Wir ergattern uns einen Sonderstempel in unsere Pässe, achten auf dem Weg zum Felsen sehr sorgsam auf rattlesnakes, schiessen ein paar Fotos vom Rock und beschliessen diesen Tag in Scottsbluff / Nebraska.
04. Juni Endlich zu den Sioux HOT SPRINGS / South Dakota
Für meinen heutigen Geburtstag haben wir uns etwas besonderes vorgenommen, denn es soll heute zum seinerzeit wohl kriegerischten aller Stämme, den Sioux gehen. Erste Station auf diesem Weg ist Fort Robinson, kurz vor der Stadt Chadron. Wir sehen hier sofort die restaurierten Unterkünfte für Mannschaften und Offiziere, finden aber auf dem gesamten Gelände keinerlei Hinweis auf den wohl berühmtesten aller hier gefangengehaltenen Indianer, Crazy Horse. Erst nach Befragen eines Museumsmitarbeiters zeigt man uns die Zufahrt zu diesem doch durchaus wichtigen Ort. Und richtig finden wir auch etwas später die ein wenig abseits gelegenen Holzbaracken, in denen die gefangenen Sioux für längere Zeit arrestiert waren. Darunter dann auch diejenige des Siegers vom Little Bighorn. Nur wenige Schritte davor dann wenigstens eine Gedenktafel, die darauf hinweist, dass an genau dieser Stelle Crazy Horse bei einem angeblichen Fluchtversuch durch Bajonettstiche in den Rücken getötet wurde. Eigenartiges Gefühl für uns: Direkt vor unseren Füssen lag er dann also, tödlich verletzt, und sang noch im Sterben für jeden der Umstehenden hörbar das Todeslied seines Volkes... Wir sitzen noch lange im Schatten seiner Baracke auf deren Stufen, schweigend und nachdenklich über die wohl tatsächlichen Vorgänge damals, und auch er bekommt bei unserem Abschied noch ein wenig Tabak mit auf die Reise. Bei der Weiterfahrt Richtung Norden nach South Dakota dann plötzlich ein Hinweis am Strassenrand, dass man jetzt Sioux-County betrete. Unsere Vorausplanung läuft jetzt eigentlich darauf hinaus, genau hier in diesem zweitgrössten aller Reservate die nächsten Tage mit dem Kennenlernen der heutigen Lebensbedingungen dieses Volkes, der Oglala-Lakotas von Pine Ridge, zu verbringen. Aber schon wenige Stunden später wird sie nur noch Makulatur sein und geändert werden... Unser erster Besuch hier und heute aber führt natürlich zum Schauplatz des allerletzten Massakers, nach Wounded Knee. Es war nur etwa 2 Wochen nach der Tötung Sitting Bulls durch einen Genickschuss und der darauf folgenden gewaltsamen Aufloesung der Geistertanz-Bewegung, als der versprengte Haufen der geflüchteten Menschen unter ihren Anführern Big Foot und Yellow Bird glaubte, am wounded knee endlich eine Zuflucht gefunden zu haben. Die etwa 350 Menschen hier, davon weit mehr als die Hälfte Frauen und Kinder, waren praktisch unbewaffnet. Ihr einziges "Vergehen" war der Wunsch zu tanzen, in der Hoffnung, auf diese spirituelle Weise den Frieden und die Heimat früherer Zeiten wiederzufinden. Was sie stattdessen wirklich fanden, war ein brutaler und durch nichts gerechtfertigter Tod für die Meisten von ihnen. An diesem eiskalten 29. Dezember 1890 starb mit diesen Menschen zugleich auch die Geistertanz-Bewegung und damit die letzte Hoffnung ihres Volkes. Weiss Gott keine Ruhmestat dieser Armee, und umsomehr müsste diese Stätte auf eine Weise eingerichtet sein, die es ermöglicht, auch noch viele kommende Generationen an das hier begangene Unrecht zu erinnern. Daran hat die US-Verwaltung natürlich kein gesteigertes Interesse; aber hier befinden wir uns im Reservat, auf Stammesgebiet, und umsomehr schockiert uns der Zustand dieses Ortes und des Friedhofes, denn sie sind es selbst, ihre eigenen Leute, die ihn haben derart verkommen lassen! Es ist eine umzäunte, nur wenige 100 m2 grosse Fläche von Grabstätten, die allesamt dem Verfall überlassen worden sind. Vor dem weltbekannten geschwungenen Torbogen des Eingangs eine Gruppe bettelnder Kinder dieses eigentlich Stolzesten aller Stämme. Ihre Mütter sitzen derweil auf den Stufen und im Schatten der auf der gegenüberliegenden Seite des Friedhofes errichteten christlichen Kapelle und beobachten obstkauend, was denn heute wohl so bei der Bettelei herausspringt. Es ist keineswegs ein Ort der Andacht hier, und so verlassen wir Wounded Knee recht betroffen und mit sehr zwiespältigen Gefühlen. Wir wussten wohl, das dies hier das ärmste Reservat von allen sein soll, aber wenn sie SO schon mit ihren Toten umgehen...? In Pine Ridge später angekommen, der Hauptstadt dieses Reservates, suchen wir uns wie schon oft zunächst mal einen Beobachtungspunkt nahe des Zentrums. Es ist Freitagabend und was sofort auffällt, sind eine Unmenge herumlungernder oder sich prügelnder Jugendlicher, eine Anzahl vereinzelt daherwankender männlicher Gestalten, und ununterbrochen aus allen Himmelsrichtungen aufjaulenden Polizeisirenen. Wir fühlen uns ein wenig mulmig dabei, und wenn ich so manchen begehrlichen Blick auf unser Auto richtig deute, dann ist es völlig ausgeschlossen, es hier an dieser Stelle auch nur für wenige Minuten aus den Augen zu lassen. Letztendlich den Ausschlag für unsere folgende spontane Entscheidung gibt aber die tatsächlich körperlich spürbare knisterne Stimmung um uns herum. Es mag lächerlich klingen, aber wir, die wir doch schon so manches erlebt haben, fühlen uns unwohl, absolut unsicher und fast in den Anfangstrailer von " in the heat of the night " zurückversetzt. Nein, wir kamen mit den besten Absichten hierher, wollten das Leben dieser Menschen kennenlernen und vielleicht ein wenig auch verstehen, aber keinesfalls um diesen Preis! Und so verlassen wir diese Stadt, in welcher wir doch so vieles vorhatten, immer noch unter dem Klang der hin und her huschenden Polizeisirenen. Erst einige Tage später werden wir in persönlichen Gesprächen mit den nördlichen Brüdern von Pine Ridge, den Hunkpapa Sioux in Standing Rock erfahren, dass auch in deren Augen die Menschen hier nicht unbedingt die Elite ihres Volkes darstellen. Zu krass und auch dort sehr wohl bekannt sei hier das allumfassende Alkoholproblem, welches Ursache der höchsten Delikt-Statistik aller Reservate sei. Und man sagt uns dort auch, dass es eine weise Entscheidung gewesen sei, in Pine Ridge NICHT zu bleiben... Damit aber verändert sich unsere Planung vollständig und wir fahren, Pine Ridge hinter uns lassend, für heute Nacht erst einmal in die Black Hills.
05. Juni Durch die Black Hills und zum Crazy Horse Monument RAPID CITY
Verdammt, ist es heute vormittag schon heiss! Erwartet werden heute bis 37°C, dabei ist es doch erst Anfang Juni und wir befinden uns nur 2 Tagesreisen von der canadischen Grenze entfernt. Unser neu gefasster und auch nicht lange Bestand habender Plan B sieht vor, die zusätzlichen Tage hier in den Black Hills zu verbringen, welche wir sonst nur besucht hätten. Erste Station soll natürlich das Crazy Horse Monument sein, welches als Rote Antwort auf die Präsidentenschädel am Mt. Rushmore seit nun schon mehr als 50 Jahren in den Fels gesprengt wird, was wohl bis zur Fertigstellung nochmals genau solange dauern dürfte... Bei unserer Anfahrt ein wenig Erstaunen über den gewaltigen Andrang. Erst am Kassenhäuschen als gefragt wird, ob auch wir beide Teilnehmer des "Crazy Horse Volksmarsches" seien, geht uns ein Licht auf: Auf den Parkplätzen vor dem Monument ist der Teufel los. Die Marschierer kommen auf eigene Faust oder mit einer ganzen Flotte von Bussen herangekarrt, und wir sehen Kennzeichen aller umliegenden Bundesstaaten. Unsere Blicke folgen ihnen und wir können es garnicht fassen: Wie eine gewaltige Armee von Ameisen geht es zügig zum Fusse der Felsenformation, dann über Pfade immer weiter hinauf und über seinen ausgestreckten Arm hinweg bis vor das Gesicht und auf den Kopf des grossen Häuptlings. Die Leute tanzen ihm buchstäblich vor der Nase herum und wir fragen uns im Stillen, ob er sich ein solches Treiben zu seinen Ehren wohl jemals hat träumen lassen? Wir widmen uns stattdessen in dieser Affenhitze lieber dem gewaltigen, aus mehreren Teilbereichen bestehenden und vor allem klimatisierten Besucherzentrum. Dort entdecken wir neben einer grossen Anzahl weiterer Museumsstücke in einer der Wandnischen und hinter einem verglasten Rahmen die handschriftliche Beauftragung eines Häuptlings vergangener Tage an einen gewissen Ingenieur polnischen Namens, dieses Monument hier in den heiligen Bergen der Black Hills Wirklichkeit werden zu lassen. Finanziert wurde und wird das ganze Unternehmen in erster Linie aus Spendengeldern, welche zwar z.T. sicherlich auch für Arbeiten Verwendung fanden, zunächst aber doch wohl dazu dienten, besagtem Ingenieur und seiner Familie ein höchst angenehmes Leben zu ermöglichen. Die Indianer selbst stehen dem Ganzen inzwischen sehr kritisch gegenüber und halten es, kurz gesagt, für eine Scheissidee. Wenn es nach ihnen noch ginge, dann sollten sowohl dieses Monument als auch Mt.Rushmore schleunigst aus ihren Heiligen Bergen verschwinden. Aber die Zeit lässt sich halt nicht zurückdrehen, und so werden auch weiterhin Andenken verkauft werden, Rothäute in Kriegsbemalung gegen ein Bakschisch geknipst, und sportliche Marschierer alljährlich einmal vor seiner Nase herumtanzen... Dies hier alles ist viel zuviel Ramasuri für uns und landschaftlich dem Schwarzwald zu ähnlich, damit kurzer Entschluss: Morgen geht´s in die Badlands! 06. Juni Tagestour durch den Badlands NP RAPID CITY
Wir meiden den Asphalt, wählen heute bewusst die gravel-roads, und nähern uns langsam von Rapid City aus kommend auf deren südlicher Seite den Badlands, dem "schlechten Land", einer unübersehbaren Felsenwüste, die aber wegen ihrer bizarren Formen und der Vielzahl von Farben ihren ganz besonderen Reiz hat. Auf einer unscheinbaren Schotterpiste von der wir kaum wissen, ob sie wirklich zum Ziel führt, erreichen wir plötzlich, eine Mordsstaubfahne hinter uns herziehend, ein mitten auf den Weg gestelltes Kassenhäuschen der Nationalpark Ranger. Wohlgemerkt, mitten im Nix, in einer Pampa wie sie einsamer kaum sein kann. Aus dem Fenster dieser wohl kaum klimatisierten höchstens 10 m2 kleinen Sauna begrüsst uns lächelnd und in vorschriftsmässiger Dienstkleidung eine junge Rangerin, fragt nach dem woher und wohin, kontrolliert unseren NPP, vergleicht die Pässe damit, versorgt uns mit Prospektmaterial und Karten und schreibt nach der Verabschiedung wahrscheinlich in ihr Tagebuch: " Heute am 6.Juni 2004 schon der vierte Besucher dieses Jahr"... Nicht viel später erreichen wir die Ausläufer der Badlands und kurz darauf auch den asphaltierten Loop, welcher durch sie hindurchführt. Dieser Nationalpark ist wirklich sehenswert und etwas ganz besonderes. Wir nehmen uns sehr viel Zeit für seine Erkundung, machen kleinere Abstecher in Seitenwege und befahren den Loop in beiden Richtungen, um auch keine Perspektive zu verpassen. Auf dem späteren Heimweg geht´s dann über schmale Schotterwege immer am westlichen Rand entlang in Richtung Süden. Plötzlich am Wegrand das Schild eines Spassvogels " Prariedog City ". Und tatsächlich wuselt es um uns herum nur so von diesen kleinen in Erdlöchern hausenden Tierchen. Übrigens in freundlichster Nachbarschaft mit den hier ebenfalls ansässigen Squirrels, von denen wir ein Pärchen beim Knuddeln beobachten und die sich auch in keinster Weise gestört fühlen. Wenige Meilen weiter dann noch eine beiderseits unseres Weges grasende Büffelherde. Sowas haben wir ja schon öfters gesehen, nur ist hier kein schützender Zaun dazwischen und unser Weg führt mitten durch sie hindurch. Und ich fahre sehr langsam um sie nicht in Unruhe zu versetzen und verzichte darauf, für ein Foto aus nächster Nähe auszusteigen... Auf den letzten paar Meilen bis zum Motel dann noch einige Überlegungen zum morgigen Tag, die dazu ausreichen, Gitti eine kleine Überraschung ankündigen zu können. 07. Juni An den Missouri zu Sitting Bull MOBRIDGE
Zur Einlösung dieses Versprechens liegt heute ein gutes Stück Weg vor uns, und wir verlassen Rapid City in nordöstlicher Richtung. Auf den nächsten 250 Meilen besteht die Landschaft ringsum ganz überwiegend aus leicht hügeligen Prärien, oft nur mit spärlichem Büffelgras bewachsen, und dazwischen gelegentlich Farmen mit Weide- und Anbauflächen. Der Verkehr unterwegs tendiert gegen null, ebenso die Ansiedlungen und Tankstellen. Ich ertappe mich beim gelegentlichen besorgten Schielen auf die Spritanzeige, habe aber dann endlich doch Glück. Irgendwann gegen Nachmittag erreichen wir einen Strom, welcher bereits hier an seinem Oberlauf eine mächtige Breite aufweist, den Missouri. Gitti macht grosse Augen, ahnt aber noch nichts. Erst als ich sie wenig später zu einem auf dem Gipfel eines Hügels am Fluss gelegenen Gedenkstein führe und sie die Inschrift entziffert, erkennt Gitti die heutige Überraschung. Während des vergangenen Jahres der Planung oft von ihr gewünscht, aber erst durch die aus Pine Ridge "gewonnenen" Tage möglich geworden, steht sie heute vor der Gedenkstätte Sitting Bulls, des berühmtesten und weisesten aller Häuptlinge. Einen würdigen Platz haben sie ihm hier gegeben, hoch über dem Missouri und mit weitem Blick auf das Land seiner Heimat. Für ihn hat sich hier der Kreis seines denkwürdigen Lebens geschlossen, und morgen werden wir zu seinem nur noch wenige Stunden entfernten Grab kommen. Der Rest des heutigen Tages aber gehört dem Stamm der Cheyenne River Sioux und deren liebevoll gestaltetem Museum im Reservatszentrum Eagle Butte.
08. Juni Besuch von Fort Yates BISMARCK/North Dakota
Von Mobridge aus kommend und immer der schmalen Strasse am Westufer des Missouri folgend, überschreiten wir recht bald die Grenzen von Standing Rock. Viele kleine Farmen der Indianer liegen abseits der Strasse. Wir passieren kleinere Ortschaften, und alles hier macht den Eindruck von Geschäftigkeit und vielleicht sogar bescheidenem Wohlstand. Autos mit California-Kennzeichen sind hier wohl eher eine Seltenheit, und so sind wir beim langsamen vorbeirollen Ziel neugieriger aber nicht unfreundlicher Blicke. Irgendwo am Strassenrand erkennbar dann ein Tanzplatz, wie er für Powwow´s benutzt wird. Wir sind hier in Kenel, und wie gerne hätten wir hier an diesem Platz das alljährliche annual elders powwow beobachten wollen, was leider terminlich nicht möglich gewesen ist. So sehen wir jetzt wenigstens den Ort des Geschehens, die bescheidene kleine kreisrunde Anlage mit Sitzbänken für die Gäste rundherum, und dem geschmückten Pfahl für die Teilnehmer des Sonnentanzes in der Mitte. Und auch an diesem Ort braucht es für uns beide garnicht viel Phantasie, um die Trommeln zu hören zum Gesang der jungen Männer, die aus freien Stücken dabei sind, sich durch Tanzbewegungen zum Rhytmus der Trommeln von den Schnüren gewaltsam loszureissen, die Teile ihrer Brustmuskulatur fest mit diesem Pfahl verbinden... Ein junger Sioux mit Punkfrisur ertappt uns beim Verweilen an diesem Ort und freut sich über unser gezeigtes Interesse. Auf sein folgendes Angebot gehen wir sofort dankbar ein, und so führt er uns ein paar Meilen querfeldein zu einem längst verlassenen Fort alter Zeiten. Mit viel Kenntnis und Liebe zum Detail erklärt er uns die z.T. restaurierten Einrichtungsgegenstände, Kleidung und Waffen der armen Teufel von Soldaten, die hier damals, mitten im Siouxgebiet, ihren Dienst versehen mussten. Wären sie bloss daheim geblieben bei ihren Familien, sie hätten zweifellos länger gelebt und dieses unglaublich grosse Land hätte für Beide reichen können, Rote und Weisse. Mit diesen Gedanken durchstreifen wir später auch das heutige Fort Yates, Verwaltungszentrum der Hunkpapa von Standing Rock. Nach dem Besuch des Grabes von Sitting Bull nutzen wir die uns angebotene Möglichkeit zur Erkundung des grosszügig angelegten "Rathauses", kommen dort mit einigen Leuten auch ins Gespräch und erwähnen dabei die uns immer noch in den Knochen steckende andere Seite der Medaille, Pine Ridge. Über die zu diesem Thema erhaltenen Auskünfte habe ich bereits an anderer Stelle berichtet. An diesem Tage erfahren wir noch eine ganze Menge über das heutige Leben im Reservat, und die Zeit geht viel zu schnell vorbei. Als wir uns dann doch von Standing Rock verabschieden müssen, geht dies nicht ab ohne ein Andenken mit den Initialen des hiesigen Tribe, welches wir daheim mit Stolz tragen werden.
09. Juni Wird Zeit dass wir heimkommen nach BILLINGS/Montana Die Reise an den Ort unsere Rückfluges beansprucht diesen vorletzten Tag unserer Tour völlig. Wir sind auf der nördlichsten aller Ost/West US-Interstates unterwegs und überqueren dabei von Bismark her kommend unsere letzte Staatsgrenze, die von North Dakota nach Montana. Vorbei am Theodor Roosevelt Nationalpark und den weiten schier endlosen Prärien steuern wir auf fast leerem Highway unserem Ziel Billings entgegen. Dort angekommen dann zunächst mal den winzigen Airport inspiziert um am Alamo-Schalter den Rückgabeort des Wagens abzuklären. Geschehen wird Dies zwar erst übermorgen früh, aber es kann nichts schaden, sich beizeiten schonmal mit den Örtlichkeiten vertraut zu machen. Jetzt aber freuen wir uns zunächst mal auf den morgigen Höhepunkt unserer Reise, den Tagesausflug zum little bighorn battlefield. 10. Juni Little Bighorn battlefield BILLINGS
Dies heute ist der allererste bewoelkte Tag unserer gesamten Reise, Trotz der bereits vorgerückten Zeit und der nun doch immer bedrohlicheren dunklen Wolken fahren wir noch ein Stück weiter in´s Reservat hinein zur St. Labre Mission bei Ashland/MT, die dadurch bekannt ist, dass die hier erbaute christliche Kirche in Form eines gewaltigen Tepees errichtet wurde. Im angeschlossenen Museum bekommt Brigitte dann auch endlich den von ihr während der gesamten Reise gesuchten ganz besonderen Traumfänger, von dem sie steif und fest behauptet, er habe nur auf sie gewartet. Jetzt aber wird es höchste Zeit zur Rückkehr nach Billings, denn schon morgen früh wartet unser Flieger. Und so fahren wir heim und geraten dabei unterwegs in ein Unwetter, wie wir es noch niemals erlebt haben. Nachtschwarze Wolken berühren fast den Boden, nicht für möglich gehaltene Regenmassen mit gelegentlichem Hagel strömen hernieder und die Strassen sind im Nu praktisch unpassierbar. Jeglicher Verkehr ist eingestellt, auch die immer eiligen Brummifahrer stehen abwartend am Strassenrand. Und wir bedanken uns im Stillen zum letzten Mal auf dieser Reise bei unserem braven Allrad, der uns auch in dieser Situation sicher nach Hause bringt. Wir glauben zu wissen, dass Dies hier keiner der gefürchteten Tornados ist, nur, wenn das stimmt, dann möchten wir niemals im Leben mit einem solchen Bekanntschaft machen... Im Motel dann schnell geduscht und gegessen, das Gepäck gerichtet und den Weckdienst bestellt, und kurz vor Mitternacht endlich in der Koje, unserem morgigen Heimflug entgegenschlafend.
11. / 12. Juni Flug von Billings über Salt Lake City und Atlanta zurück nach STUTTGART Um unseren Rückflug noch kurz zu erwähnen: Ab Billings Logan int. airport /Montana geht es zunächst mal mit ´ner winzigen Maschine nach Salt Lake City /Utah, welches wir etwa 2 Std. nach Abflug erreichen. Der dortige Weiterflug zur nächsten Station nach Atlanta /Georgia verzögert sich aufgrund der Unwetter-Umplanungen um eine volle Std., was uns für das letztmalige Umsteigen einige Kopfschmerzen bereitet. Und wie befürchtet sind wir in Atlanta kaum von Bord dieser Maschine, als wir auch schon über Lautsprecher mit dem "letzten Aufruf für Mr. + Mrs. Zabel" zu unserem Flieger nach Stuttgart nachdrücklich ausgerufen werden. Aber wir schaffen es noch! Die Crew schaut zwar ebenso wie die meisten der 300 Fluggäste etwas säuerlich, als wir noch dahergesaust kommen und uns erleichtert in die Sitze plumsen lassen, aber von Denen allen war auch noch keiner gezwungen, Atlanta Airport im Laufschritt zu durchqueren. Der Flug selbst dann wie gehabt: Die gezeigten Filme nicht besonders gut, das abendliche Dinner noch viel weniger, aber etwa 32 Std. nach dem Aufstehen gestern in Billings treffen wir wieder wohlbehalten daheim in Mindelheim ein. F A Z I T : Obwohl als Erholungsurlaub weder geplant noch durchgeführt kommen wir nach Hause in allerbester Verfassung. Trotz oder vielleicht sogar wegen der drüben gefahrenen knapp 8000 km und der unglaublich vielen Erlebnisse unterwegs haben wir beide neue Kraft aufgetankt und dazu ein gutes Teil neues Selbstbewusstsein gefunden. Auf unserer Tour durch 11 Bundesstaaten der USA haben wir soviel gesehen, soviel gelernt, soviele unvorhergesehene Situationen gemeistert, soviele Menschen unterschiedlichster Kulturkreise kennengelernt, dass man am Schluss einer solchen Reise das Gefühl der eigenen Stärke entwickelt bzw. wiederfindet. Manche unserer persönlichen kleinen Probleme werden uns zukünftig nicht mehr gleich aus den Socken hauen, denn die Erfahrungen dieser Reise haben uns auch ein wenig gelassener gemacht im alltäglichen Umgang mit solcherlei Dingen. Das Kennenlernen der heutigen Indianer ist uns durch die Besuche der kaum zu zählenden Reservate wohl gelungen, auch und vor Allem durch viele kleine persönliche Begegnungen. Mit dem Verstehen ihrer Lebensweise dagegen sind wir gescheitert, aber daran haben sich schon ganz andere die Zähne ausgebissen. Sie sind einfach von Stamm zu Stamm oft grundverschieden, was sowohl ihre Traditionen als auch ihre Wertvorstellungen für das heutige Leben betrifft. Mag sein, dass sie alle gemeinsam wesentlich grösseren politischen Einfluss für ihre Belange geltend machen könnten, aber selbst Dazu sind ihre Welten viel zu verschieden. Tja, das war sie, unsere Traumtour durch die Indianergeschichten unserer Kindheit... Leider viel zu kurz, viel zu schnell vorbei, wie es halt so ist mit schönen Träumen.
Und würde uns jemand fragen dann müssten wir zugeben, dass wir kaum zurück, schon wieder Heimweh haben: Nach den unendlichen Highways dieses Landes, seinen nicht weniger reizvollen gravelroads, seinen immer wieder in Erstaunen versetzenden Landschaften, seinen stets freundlichen Menschen aller Rassen, seinen Prärie Dogs, den Squirrels und sogar nach den hin und wieder faul daliegenden rattlesnakes... Ihr werdet uns alle sehr sehr fehlen, BIS ZUM NÄCHSTENMAL !!!
Für eigene Fotos dieser Seite: Minolta dynax 500si mit Tamron 28 - 200 AF | ||||||||||